Jazzkreis

Jazzkreis Wiesbaden – Ein Überblick

Der Jazzkreis Wiesbaden wurde 1954 von einer Gruppe Musikern und anderer jazzbegeisterten Leuten gegründet. Aus dieser Gruppe entstand unter anderem die Wiesbadener Dixieland Band “Bucktown Six”. Man traf sich meistens in der Wohnung der Mitglieder oder in der Kneipe um die neusten Platten zu hören, zuerst wöchtlich später vierzehntägig und heute monatlich. Zu den Treffpunkten zählten zur Gründungszeit, unter anderem, in den 50-ern der Keller in der Rheinstraße, der Clubraum im „Deutschen Haus“ in der Körnerstraße, Anfang der 60-er das „Haus der Heimat“ in der Friedrichstraße, dann von 1962-64 die Räume der „Chemischen Reinigung – Capitain“ in der Moritzstraße. In den frühen Jahren war der Jazzkreis Wiesbaden ein Mitglied der “Deutschen Jazz Föderation” und somit beitragspflichtig. Es gab eine ordentliche Satzung, in der unter §2 aufgeführt war

“ Der Verein bezweckt die Förderung und Pflege der Jazzmusik, insbesondere durch Veranstaltung von Konzerten, Vorträgen, Diskussionen sowie durch Zusammenarbeit mit anderen Veranstaltern zeitgenössischer Musik“

Diese Grundlage entfiel nachdem sich die “Bucktown Six” aufgelöst hatte und eine Nachfolgeband nicht in Sicht war. Zu den Gründungsmitgliedern zählte, neben den Bandmitgliedern, Dietrich Geldern und Herbert Koleczeck auch Albert Butz, der auch noch heute im Jazzkreis aktiv ist.

Sammler PosterZu den, über die Grenzen von Wiesbaden hinausgehenden, Großereignissen zählten die Jazzplatten- Sammler Kongresse im „Jazzhouse“ von Albert und Uschi Butz. Sie lockten, über die Pfingstfeiertage, Plattensammler aus ganz Deutschland und den Benelux-Ländern an. Ein reichhaltiges Beiprogramm sorgte für Abwechslung und gute Stimmung unter den Sammlern. Leider wurde diese Aktivität 1968 wieder eingestellt, da die Belastungen für die Veranstalter nicht mehr zu schultern waren. In der Presse fanden die Veranstaltungen immer ein großes Echo, so schrieb der Wiesbadener Kurrier in seiner Ausgabe, vom 16. Mai 1967 „Die Sprache des Jazz – Sammler aus aller Welt beim Jazzschallplatten-Kongreß“ und das Tageblatt vom gleichen Tag vermeldete “ Jazzschallplatten und ihr großes Echo – Sammlerkongreß lockt Gleichgesinntean aus nah und fern“.
Beide Publikationen gingen ferner auf das reichhaltige Beiprogramm ein und erwähnten dabei auch Sam Wooding, einen „schwarzen“ Bandleader, der schon nach dem 1. Weltkrieg mit seinem Orchester nach Deutschland kam.

Ende der 60-er Jahre zog der Jazzkreis in sein jetziges Domizil bei den Casselmanns. Erst wurde im Nebenraum der Werkstatt getagt und später zog man in das Keramikstudio um. Im Sommer lädt der große Garten zum Hören im Freien ein, wenn nur die Mücken nicht wären.

Im Verlauf der Jahre entwickelte sich eine Vortragsstruktur mit einem Jahresprogramm zu den unterschiedlichsten Jazzthemen. Es kommen Schallplatten, Videos, CD’s , aber auch die neueren Medien wie DVD zum Einsatz. Gemeinschaftsprogramm wechseln mit den Vorträgen einzelner Mitglieder ab

Die Musik der Vorträge hat sich über die Zeit gewandelt, war man anfangs auf Oldtime und Swing fixiert so kann man seit einigen Jahren auch moderne Töne hören. Erst zaghaft, mit dem “Westcoast & Cool Jazz” und dann Bebop, Hardbop und Funk sogar Avantgarde wurde schon zu Gehör gebracht und es hat sich gezeigt, dass Jazz eine Musik der Toleranz ist und die Grenzen fließend geworden sind.